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Papierkonservierung – Ein Blick hinter die Kulissen

Autor: Isabella Koranda

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Papierkonservierung – Ein Blick hinter die Kulissen
Ob in Form von Büchern, historischen Dokumenten, Moderner Kunst, Zeichnungen Alter Meister oder dreidimensionaler Objekte: Papier ist allgegenwertig. Und so vielfältig das Material Papier eingesetzt wurde und wird, so abwechslungsreich gestaltet sich die Aufgabenstellung an den Konservator/Restaurator.

Ein berühmtes Kunstwerk von Andy Warhol bedarf ebenso liebevoller Betreuung wie der letzte Brief des Großvaters, geschrieben an der Front in den Wirren der letzten Tage des zweiten Weltkrieges - das eine von erheblichem monetären Wert, das andere ein Stück persönliche Geschichte, unbezahlbar für die Familie.
Papierkonservierung – Ein Blick hinter die Kulissen
Zu Beginn jeder seriösen Konservierung/Restaurierung steht das persönliche Gespräch mit dem Besitzer bzw. mit dem für das jeweilige Objekt zuständigen Kurator oder Wissenschaftler. Untersuchungen und Tests im Rahmen der konservatorischen Tätigkeit dienen dem „Kennenlernen“ des anvertrauten Artefakts: Sorgsam auf die individuellen Umstände ausgewählt, gilt es, die Beschaffenheit, Verwundbarkeit und Originalität des jeweiligen Objektes herauszufinden.

Dabei werden oft überraschende, amüsante oder verblüffende Erkenntnisse gewonnen: So kann es passieren, dass ein Aquarell – ursprünglich einer Dame von Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts zugeschrieben – sich nach eingehender Untersuchung als Werk einer Nachfahrin selbiger Dame des 19. Jahrhunderts entpuppt.
Papierkonservierung – Ein Blick hinter die Kulissen
Oder ein distinguierter Wissenschaftler, vom Ergebnis der Oberflächenreinigung und Sicherung eines historischen Dokumentes begeistert, erkennt, dass seine Publikation einer Überarbeitung bedarf, da die ursprüngliche Transkription (Umschrift) „seines“ Textes leider so nicht stimmen kann. Die in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler durchgeführte, anhand von Faserstrukturen und Tintenspuren akribisch vorgenommene Zusammensetzung der einzelnen Fragmentteile (es handelte sich um ein Dokument aus dem 6./7. Jahrhundert nach Christus), ermöglichte eine neue Sichtweise des Textes und ein damit verbundenes, tieferes Verständnis der sich im Text widerspiegelnden Alltagskultur dieser Epoche.

Der Ausspruch: „Ach, Frau Koranda, aber die ursprüngliche Fassung wäre so schön gewesen!“ ist natürlich aus menschlicher Sicht durchaus nachvollziehbar, besonders im Hinblick auf die vielen, vielen Stunden, die vom betreffenden Historiker für seine Publikation bereits aufgewandt worden waren, doch vom wissenschaftlichen Standpunkt sind die neu gewonnen Erkenntnisse natürlich wichtiger.
Papierkonservierung – Ein Blick hinter die Kulissen
Aber ein kleiner Trost: auch in der Konservierung bleibt die Wissenschaft nicht stehen. Mein persönlicher Favorit zurzeit sind die Forschungen der University of Tokio bezüglich des Einsatzes von Meerwasser als Notfallsmaßnahme für Papier, welches im Zuge von Überflutungen beschädigt wurde und wobei es gilt, weitere Schäden durch Schimmelbefall zu unterbinden. (Studies in Conservation, 2012, vol. 57, No. 3, pp 164–171).

Isabella Koranda
ist akad. Konservatorin und Restauratorin mit Spezialgebiet Kunst und Archivalien auf Papier, Papyrus und Pergament. www.conservation.at

 

Ansprechperson: Isabella Koranda, MA Dist.
Postadresse: Karl Schreiweisgasse 6
                    2361 Laxenburg
                    Österreich

Telefon: +43 (0)676 350 52 49
Email-Adresse: i.koranda@conservation.at
Website: www.conservation.at
Schwerpunkte:
Konservierung und Restaurierung von Kunst und Archivalien auf Papier, Papyrus und Pergament
Besichtigung der Objekte und persönliche Übernahme in ganz Österreich

Öffnungszeiten: Termin nach Vereinbarung
Verband: The Institute of Conservation (icon), Österreichischer Restauratorenverband (ÖRV), International Institute for Conservation of Historic and Artistic Works (IIC), ICOM, The Conservators’ Round Table

 

Veröffentlicht am 23 Jul 2013

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