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Der Volk und Reich Verlag (Berlin, Prag, Wien, Amsterdam)

Autor: Murray G. Hall

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Murray G. Hall, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien und Vorstand der Gesellschaft für Buchforschung, recherchiert die Geschichte des nationalsozialistischen Volk und Reich Verlages. Die Publikationen des Verlages unterschieden sich von Standort zu Standort.1

Der Volk und Reich Verlag wird zwar immer wieder in einzelnen wissenschaftlichen Publikationen – vor allem in Zusammenhang mit NS-Institutionen – erwähnt2, doch steht eine umfassende Darstellung dieses Verlags und seines Programms noch aus. Über die Vielzahl der Publikationen (die auf über 500 geschätzt werden3) sowie die außenpolitische Ausrichtung der Zeitschrift Volk und Reich. Politische Monatshefte (Herausgeber und Hauptschriftleiter Friedrich Heiß; Mitglied der Schriftleitung: Waldemar Wucher) informiert – zumindest für die Zeit bis 1935 – die Schrift: Um Volk und Reich. Zehn Jahre Arbeit des Volk und Reich Verlages. Berlin: Volk und Reich Verlag, 1935. Die jüngste, gründlichste und ausführlichste Darstellung der Geschichte stammt von Roland Jaeger4. Der Verlag ist in unserem Rahmen aus zwei Gründen interessant: zum einem, weil er im Protektorat Böhmen und Mähren eine Niederlassung gründete und zum anderen, weil er sein Programm besonders auf schöngeistigem Gebiet dem neuen Standort anpasste.

Standorte:

Berlin

Der Zeitschriften- und Buchverlag „Volk und Reich“ Verlag G.m.b.H., Berlin, wurde am 1. April 1925 gegründet. Geschäftsführer war Friedrich Heiß.

Wien

Obwohl in den Verlagswerken der 1940er Jahre auch „Wien“ (neben Berlin, Amsterdam und Prag) im Impressum aufscheint, ließ sich eine Adresse für eine Wiener Niederlassung (die auch nicht im Adressbuch aufscheint) bislang nicht eruieren. Wer in Wien den Verlag vertrat bzw. welche Aktivitäten die örtliche Niederlassung tätigte, ist ebenfalls nicht bekannt.

Amsterdam

Dass die Niederlande nach der deutschen Besetzung im Mai 1940 für zahlreiche deutsche Verlage (und Druckereien), darunter Volk und Reich, verlockend wurden, lag an den freien Druckkapazitäten, den freien Arbeitskräften, am Papier sowie an der vom Propagandaministerium in Berlin ab 1941 forcierte „Auftragsverlagerung“. Dadurch sollten die Kapazitäten in den besetzten Ländern ausgenützt werden.5 Führend war in diesem Fall Bertelsmann.

Die Dependance von Volk und Reich in Amsterdam war „in der Paleisstraat hinter dem königlichen Palast auf dem Dam“.6 Die genaue Adresse lautete Paleisstraat 14. Anfang 1943 erschien dort erstmals die populärwissenschaftliche Zeitschrift Westland. Blätter für Landschaft, Geschichte und Kultur an Rhein, Mosel, Maas und Schelde. Herausgeber (bis Ende 1944) war Arthur Seyss-Inquart, früher Rechtsanwalt in Wien, Minister im Kabinett des österreichischen Kanzlers Kurt Schuschnigg, am 11. März 1938 kurzzeitiger österreichischer Bundeskanzler, dann Reichsstatthalter von Wien, dann gefürchteter Reichskommissar für die Niederlande und schließlich Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg. Zum weiteren Programm heißt es bei Zondergeld: „Der Volk und Reich Verlag hatte schon viele Bücher auf dem Gebiet der Westforschung herausgebracht, darunter eine zehnteilige Reihe über die sogenannte Wirtschaftsgeographie des deutschen Westens unter der Redaktion von Walter Geisler und Georg Scherdin. In Amsterdam war bei Volk und Reich ein Sammelband von Friedrich Heiss, Günter Lohse und Waldemar Wucher über Deutschland und der Westraum erschienen.“ (ebda.)7

Prag

Dafür, dass ein Verlag wie der in Berlin ansässige Volk und Reich Verlag eine Niederlassung bzw. eine Dependance als gleichlautende GmbH am 1. April 1940 in Prag XII, Schwerinstraße 3, (Inhaber: Friedrich Heiß) gründete, gibt es einige mögliche Erklärungen. Der Buchhistoriker Zdeněk Šimeček ortet ein Streben nach einer kulturellen Hegemonie des Nationalsozialismus unter sukzessiver Ausschaltung tschechischer Einflüsse: „Die zahlenmäßig geringe deutsche Minderheit […] tat sich mit Unterstützung von Reichsstellen in einer Verlagstätigkeit hervor, die der Nazi-Ideologie und den Interessen des Großdeutschen Reiches untergeordnet war. Unter den herrschenden Umständen handelt es sich nicht um eine nationale Schutz- oder Bildungstätigkeit, sondern um eine Verwirklichung alter Vorstellung von der kulturellen Überlegenheit der Deutschen.“8 Obwohl die deutsche Minderheit im Protektorat kaum mehr als 3,5% der Bevölkerung ausmachte, sollte Prag ein deutscher Verlagsort sein. Šimeček nennt auch in diesem Zusammenhang namentlich Volk und Reich, meint aber gleichzeitig, dass „Versuche durch die Einfuhr von Literatur aus dem Reich Abhilfe zu schaffen und die deutsche Tagespresse zu verbreiten […] auf das Desinteresse der tschechischen Gesellschaft“ stießen. (ebda.) Roland Jaeger nennt weitere plausible Gründe – einen in der Person bzw. persönlichen Motivation von Friedrich Heiß (1897–1970), Herausgeber (seit 1925) der Zeitschrift Volk und Reich und Inhaber der Prager Niederlassung. Jaeger zitiert aus dem vielsagenden Lebenslauf von Heiß: „Von 1936 an planmässige politische Propagandaarbeit gegen die Tschecho-Slowakei vor allem durch die Zeitschrift Volk und Reich.“ (S. 452) Diese seine Einstellung fand in zahlreichen Verlagspublikationen ihren Niederschlag. Jaeger weiter: „Mit der Annexion des Sudetenlandes und später der Besetzung des restlichen tschechischen Gebietes und dessen Umwandlung in das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren ergaben sich Möglichkeiten der Expansion unter dem Staatssekretär Karl Hermann Frank (1898– 1946), der selbst Buchhändler und Verleger in Karlsbad gewesen war, bevor er sich der sudetendeutschen Sache verschrieben hatte.“ (S. 452f.) Eine der ersten verlegerischen Taten war die von Heiß gegründete und geleitete, ab April 1940 erscheinende Zeitschrift Böhmen und Mähren. Blatt des Reichsprotektors in Böhmen und Mähren.9 Neben ideologischen Gründen gibt es auch eine pragmatische Erklärung dafür, dass Heiß zahlreiche Publikationen in Prag erscheinen bzw. im Protektorat drucken ließ: Papiervorräte bzw., wie Jaeger festhält, die Umgehung von im Reich geltenden Papierbeschränkungen.

Zum Verlagsprogramm und zum Betrieb meint Thomas Müller in seinem Beitrag über Volk und Reich aus dem Jahr 2008: „Neben den Zeitschriften entwickelte der Verlag eine umfangreiche Buchpublizistik, die zu einem Großteil der Verlagstätigkeit von den 1940 in Prag und Amsterdam gegründeten Verlagsniederlassungen realisiert wurde. Während des Krieges erschienen rund 100 Einzeltitel sowie rund 15 Reihentitel […].“10

In der bisherigen Forschung, die auf Zeitschriften und Reihen und deren Stellenwert im NS-Staat fokussiert ist, ist so gut wie nirgends davon die Rede, dass die Prager Niederlassung einen Schwerpunkt auch auf schöngeistiges Schrifttum gelegt hat. Und man kann davon ausgehen, dass die plötzliche „Ankunft“ reichsdeutscher Verleger (und Buchhändler) auf dem Prager Platz von einheimischen deutschen Branchenmitgliedern genauso wenig bejubelt wurde wie in Wien nach dem „Anschluss“ im März 1938. Da wie dort traten reichsdeutsche Treuhänder (Beispiel Orbis-Verlag in Prag11) und „Ariseure“ auf, die im Rahmen der „Wiedergutmachung“ abräumen wollten. Nicht nur das: das Beispiel Volk und Reich Verlag zeigt, wie ein Neuankömmling den etablierten „heimischen“ Verlagen, die es ohnehin schwer (gehabt) hatten, Autoren und Geschäft wegnahm. Dürftigen bibliographischen Hinweisen zufolge hat der Verlag in Prag auch eine Art „Buchgemeinschaft“ betrieben. Jedenfalls tragen manche Verlagswerke den Vermerk „Ausgabe für die Mitglieder der Volk und Reich Bücherringesellschaft“.12

Prager Feldpostbücherei

Im Herbst 1939 hat C. Bertelsmann die ersten Feldpostausgaben herausgebracht, und im Laufe der folgenden Jahre (bis zu den Schließungsaktionen 1943 und 1944) haben insgesamt 71 Verlage13 diese lukrative Geschäftsidee aufgegriffen. Darunter befanden sich mindestens drei Verlage, die in unserem Fokus sind: Volk und Reich Verlag Prag, Verlagsanstalt Moldavia in Budweis („Feldpostbücher“) und Adam Kraft Verlag in Karlsbad. Alle rangierten in der Liste der wichtigsten Buchlieferanten der Wehrmacht – also Bertelsmann14, der Eher Verlag, Kohlhammer, das Bibliographische Institut oder der Insel Verlag – jedoch unter „ferner liefen“. In der Reihe Prager Feldpostbücherei bei Volk und Reich dürften in den Produktionsjahren 1943–1944 nicht mehr als neun broschierte Hefte erschienen sein, und anfänglich waren manche dieser Werke zugleich Ausgaben in einer weiteren begonnenen, aber nicht fortgesetzten Reihe mit dem Titel Deutsche Erzähler. Die Hefte entsprachen in Format und Umfang den Beförderungsregeln der Feldpost und waren insofern „versandfertig“, als der Rückumschlag einen Kasten für den Adressaten und einen für den Absender aufwies.


Abb. 1: Prager Feldpostbücherei


Interessanterweise stammen fast alle Werke von „einheimischen“ Autoren. Die Erklärung ist denkbar einfach: fast alle hatten einen Erzählerpreis im Rahmen des von der im Volk und Reich Verlag erscheinenden Zeitschrift Mähren und Böhmen in den Jahren 1941–1943 gestifteten Adalbert-Stifter-Preises, in dessen Jury u.a. Friedrich Heiß saß, gewonnen. Ein Teil der Prämie war das Preisgeld, der andere die Veröffentlichung.15

Nachgewiesene Titel:

Frank, Eduard (Hrsg.): Heitere Geschichten. Von Postl-Sealsfield. Eingeleitet und ausgewählt von Eduard Frank. 1944. [nota bene: Frank hatte für den Adam Kraft Verlag 1940 in der „Volksdeutschen Reihe“ (Band 42) eine Leseausgabe der Werke Karl Postls heraus- gegeben, die mehrere Auflagen erlebte.]

Bade, Wilfrid: Tod und Leben. Verse des Krieges. 1943.

Höller, Franz: Böhmisches Wanderbuch. 1943.

Watzlik, Hans: Das hölzerne Haus. 1944. ( zugleich Deutsche Erzähler, Band 3)

Mally, Leo Hans: Prag. Ein Gedichtbuch. Mit Zeichnungen von Johannes Boehland. 1943.

Mally, Leo Hans: Das Spatzenparadies. Beigefügt: Heinrich Zerkaulen: Die Begegnung zu

Teplitz und Hanns Lerch: Der schwarze Reiter von Eger. 1943. (zugleich Deutsche Erzähler, Band 2)16

Sturm, Stefan: Ballade am Berg. Herbert Zschelletzschky: Johannes, der Stadtschreiber von Saaz. 1943. (zugleich Deutsche Erzähler, Band 1)17

Schaffer, Xaver (Hrsg.): Die bunte Palette. Anekdoten um deutsche Maler und Bildhauer. 1944.

Wittstock, Erwin: Wäschestrick und Friedenspfeife. Die Eibe. 1944.


Die Bücher des Frontarbeiters. Hrsg. von der Organisation Todt, Zentrale, Hauptabteilung Kultur, 1943–1944.

Ein weitaus lukrativeres Geschäft machte Volk und Reich mit einer anderen Serie, die sich Die Bücher des Frontarbeiters nannte. Volk und Reich Berlin bzw. der Hauptschriftleiter Friedrich Heiß gab seit 1934 im Auftrag von Fritz Todt, dem Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, die Zeitschrift Die Straße heraus, und es ist nur naheliegend, dass die Organisation Todt den Verlag Volk und Reich mit der Herausgabe einer Buchreihe exklusiv für die „Frontarbeiter“ beauftragte. Dass die Bücher nicht für das Sortiment bestimmt waren, geht u.a. aus folgendem Vermerk in Band 12 (Charles de Coster: Uilenspiegel und Lamme Goedzak. Ein fröhliches Buch trotz Tod und Tränen. Mit Holzschnitten von Anny Schröder) hervor: „Dieses Buch ist eine Sonderausgabe für die OT der im Insel-Verlag Leipzig erschienenen, von Albert Wesselski übersetzten Ausgabe. Die Bücher des Frontarbeiters werden herausgegeben von der Organisation Todt, Zentrale, Hauptabteilung Kultur, und sind für den Gebrauch innerhalb der OT, der NSKK-Transportgruppe Todt und der Transportflotte Speer bestimmt.“18


Abb. 2: Editorische Notiz in einem Band der „Bücher des Frontarbeiters“


Wie sah das Programm aus? In einer Verlagsanzeige (1943) liest man: „,Die Bücher des Frontarbeiters’ bringen eine Auswahl aus dem besten deutschen Schrifttum der Vergangenheit und der Gegenwart. Die einzelnen Gebiete sind in verschiedenen Gruppen zusammengestellt.“ Diese Gebiete waren: Geschichtliche und politische Schriften (z.B. Bismarcks Gedanken und Erinnerungen), Romane (darunter Gustav Frennssen, Wilhelm Raabe, Theodor Fontane, Frank Thieß), Novellen und Erzählungen (Keller, Hauff, Kleist, Storm, Hebel, Hans Grimm und Hans Friedrich Blunck), Reise- und Erlebnisberichte (darunter der im Deutschen Verlag erschienene Bestseller von Günther Prien: Mein Weg nach Scapa Flow), Abenteuer und Kriminalromane (Fontane, Huch, Hoffmann, Gerstäcker, Cooper und Karl May), Spielbücher und Humor (u.a. Das Liederbuch der OT und Mark Twains Tom Sawyer und Huckleberry Finn), Gedichte, Populärwissenschaft (z.B. Der OT-Arzt berät). So war die Buchreihe eine Mischung aus tantiemenfreien Klassikern und Lizenzausgaben von populären zeitgenössischen Werken. Es werden in der Anzeige insgesamt 42 Werktitel angezeigt, doch sind Zweifel angebracht, ob viele der Bände tatsächlich erschienen sind19, denn es konnten davon lediglich 22 Titel bibliographisch (d.h. im Karlsruher Virtuellem Katalog) erfasst werden. Der Rest wird in der Deutschen Nationalbibliographie nicht verzeichnet. Selbst wenn die Bücher des Frontarbeiters nicht für das Sortiment bestimmt waren, müssten auch sie in einem Katalog aufscheinen.

Wie Volk und Reich an Lizenzen für diese Reihe herankam, zeigt ein Schreiben vom 18. Februar 1943 an den ehemaligen Paul Zsolnay Verlag und nunmehrigen Karl H. Bischoff Verlag. In diesem Schreiben bittet der Berliner Verlag um Zustimmung zu einer Lizenzausgabe des Romans Schwarzes Segelschiff auf rotem Grund vom gebürtigen Wiener Krimiautor Edmund Finke (1888–1968). Da heißt es:

Der Volk und Reich Verlag, Abteilung OT, bringt für die Organisation Todt eine Buchreihe heraus. Die Bände dieser Reihe kommen nicht in den Handel, sondern werden nur an die im Felde stehenden OT-Männer verteilt. Es handelt sich also um eine einmalige Aktion der OT. Bei den Verhandlungen wurde vorgeschlagen, in die- ser Buchreihe einen Lizenzdruck Ihres Verlagswerkes Edmund Finke „Schwarzes Segelschiff auf rotem Grund“ zu veranstalten. Die Auflage für dieses Werk würde mindestens 5000 und höchstens 10 000 Stück betragen. Wir erlauben uns die Anfrage, ob Sie grundsätzlich damit einverstanden sind, uns die Lizenz für eine solche Ausgabe zu erteilen und wie hoch die Lizenzgebühr für die Ausgabe wäre. Wir erwarten mit Interesse Ihre Antwort und zeichnen mit Heil Hitler!20

Aus welchen Gründen immer: zu einer OT-Ausgabe von Finke ist es nicht gekommen. Geld scheint bei dieser Reihe insofern keine Rolle gespielt zu haben, als die z.T. sehr umfangreichen Werke um 50 Pfennig (!) verkauft wurden – und das bei Herstellungskosten pro Band zwischen 2 und 3 Mark. Der Verlust wurde vom Ministerium Speer getragen.21 Für die Illustration engagierte man eine Reihe von zeitgenössischen Künstlern, darunter Karl Stratil (1894–1958) Artur Mrockwia, Walter Müller, Adolf Menzel (1815–1905), Gerhard Ulrich (1903– 1988), Anny Schröder (1898–1972), Walter Klemm (1883–1957) und Charlotte Pfeil. Ansonsten waren Eric Ecke, Dora Nadge-Ecke (* 1898) und Johannes Boehland (1903–1964) für den Verlag als Illustratoren tätig.

Volk und Reich war nicht der einzige Verlag, der zu dieser Zeit mit der Organisation Todt ins Geschäft kam. Als Stichwort wäre Baedeker zu nennen, der sich mit seiner Verlagsproduktion voll und ganz in den Dienst der NS-Ideologie stellte. Zwei Ausgaben von einem Handbuch des Frontarbeiters erschienen 1944 im Leipziger Karl Baedeker Verlag, nämlich Baedekers OT-Führer Italien und Baedekers OT-Führer West. Belgien-Frankreich-Niederlande. Die Bände wurden „Bearbeitet im Auftrag der Organisation Todt, Hauptabteilung Kultur“. Selbstredend dienten diese Baedeker-Reiseführer (wie auch andere, etwa über das Generalgouvernement) nicht touristischen Zwecken, sondern zur Orientierung der in den besetzten Ländern eingesetzten Arbeitern.22

Nachgewiesene Titel:

Bismarck, Otto von: Gedanken und Erinnerungen. Ausgewählt und bearbeitet von Eduard Ritter. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 3)

Blunck, Hans Friedrich: König Geiserich. Eine Erzählung von Geiserich und dem Zug der Wandalen. Prag: Volk und Reich, 1943. (Band 13)

Busch, Wilhelm: Allerlei Weisheiten. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 14)

Carlyle, Thomas: Friedrich der Grosse. Mit Holzschnitten von Adolf Menzel. Berlin: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 8)

Coster, Charles de: Uillenspiegel und Lamme Goedzak. Ein fröhliches Buch trotz Tod und Tränen. [Übers. von Albert Weselski]. Mit Holzschnitt von Anny Schröder. Berlin- Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 12)

Fontane, Theodor: Irrungen Wirrungen. Mit Zeichnungen von Gerhard Ulrich. Berlin- Amsterdam-Prag Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 16)

Fontane, Theodor: Unterm Birnbaum. Novelle. Zeichnungen von Artur Mrockwia. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 2)

Frenssen, Gustav: Peter Moors Fahrt nach Südwest. Ein Feldzugsbericht. Mit Zeichnung von Artur Mrockwia. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 4)

Gerstäcker, Friedrich: Die Flußpiraten des Mississippi. Ill.: Artur Mrockwia. 1943. (Band 9)

Gerstäcker, Friedrich: Die Regulatoren von Arkansas. Ill.: Artur Mrockwia. Berlin- Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 6)

Grimm, Hans: Der Pavian und andere Erzählungen. Mit Zeichnungen von Walter Klemm. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien, 1943 (Band 19)

Hauff, Wilhelm: Die Karawane. Das Wirtshaus im Spessart. Erzählungen mit Zeichnungen von Walter Müller. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 1)

Hoffmann, E.T.A.: Das Majorat und andere Erzählungen. Mit Zeichnungen von Gerhard Ulrich. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 17)

Huch, Ricarda: Der Fall Deruga. Berlin: Volk und Reich, 1943. (Band 5) [erschien auch 1943 im Atlantis Verlag, Berlin, Hrsg. von der Wehrmachtspropagandagruppe beim Wehrmachtbefehlshaber Norwegen sowie im selben Jahr bei Tauchnitz, Leipzig]

Keller, Gottfried: Der Schmied seines Glückes und andere Erzählungen. Zeichnungen von Walter Müller. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 20)

Prien, Günther: Mein Weg nach Scapa Flow. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1944. (Band 29) [Die Biographie erschien zuerst 1940 im Deutschen Verlag, Berlin. Auflage erreichte 890.000]

Raabe, Wilhelm: Der Hungerpastor. Roman mit Zeichnungen von Charlotte Pfeil. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 7)

Storm, Theodor: Der Schimmelreiter. Die Chronik vom Grieshuus. Mit Holzschnitten von Karl Stratil. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 18)

Twain, Mark: Huckleberry Finns Fahrten. Mit Zeichnungen von Artur Mrockwia. Aus dem Engl. hrsg. von der Organisation Todt. Berlin-Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 46)

Twain, Mark: Tom Sawyers Abenteuer. Mit Zeichnungen von Artur Mrockwia. Berlin- Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 45)

Welk, Ehm: Die Heiden von Kummerow. Roman. [Ill. Charlotte Pfeil]. Berlin- Amsterdam-Prag-Wien: Volk und Reich Verlag, 1943. (Band 44). (Druck: M. Müller, München)


Weitere Produktion

Vom Standort Prag aus brachte Volk und Reich bis 1944 eine ganze Palette von Publikationen heraus, die thematisch mit Prag oder dem Protektorat zu tun hat- ten, wie etwa die mehrbändige Schriftenreihe Böhmen und Mähren, sowie die Werke Böhmen und Mähren im Werden des Reiches (1943) und Das Böhmen-Mähren-Buch Volkskampf und Reichsraum von Friedrich Heiß (1943), die Reihen Prager Forschungen zur Kunstgeschichte und Prager geographische Studien, die Zeitschriften Deutsche Volksforschung in Böhmen und Mähren (1939/40–Oktober 1944) und Forschungen aus Prags Vergangenheit und Gegenwart (1944), Prager Jahrbuch, Karel Plicka: Prag im Lichtbild. Eingeleitet und bearbeitet von Anton Zankl. Einband und Titelgestaltung Karl Stratil. ([1944]), Emil Franzels Die Bibliothek des Landesmuseums in Prag. Eine Darstellung ihrer Ursprünge und ihres Werdens im Rahmen der Museumsgeschichte (1942), Otto Lehovec: Prag. Eine Stadtgeographie und Heimatkunde (1944) sowie Fritzi Mally: Deutsche Trachten aus den Sudetenländern (1943) usw. Zu den vielen Reihen zählte auch die „Kleine Volk und Reich Bücherei“.

Belletristik

Der Volk und Reich Verlag in Prag war, wie das Beispiel Adalbert-Stifter-Preis zeigt, darum bemüht, auch sudetendeutsche Schriftsteller zu publizieren, wobei auffallend ist, wie oft Autoren des Adam Kraft Verlags verlegt werden. Hier eine Auswahl der literarischen Publikationen bis 1944:

Bade, Wilfrid: Flamme und Wind. Gedichte. (1944).

Brand, Guido K.: Ein Winter ohne Gnade. Osteindrücke eines OT-Kriegsberichters. 1943.

Buttlar Moscon, Alfred von: Wanderer zwischen Tag und Traum. Gedichte. 1944.

Der Kurier. Erzählungen. Einband: L. Nettelhorst. 1943.

Eichendorff, Joseph von: Aus dem Leben eines Taugenichts. Einbandentwurf und Zeichnungen von Karl Stratil. [1944].

Eichendorff, Joseph von: O Täler weit, o Höhen. Lieder und Gedichte. Im Auftrage der Deutschen Eichendorff-Stiftung ausgewählt und neugeordnet von Wilfrid Bade. 1943.

Fischer, Rudolf: Die Weiberjagd. Komödie in 3 Aufzügen. Umschlag Johannes Boehland. Prag: Volk und Reich Verlag, 1944.

Hain, Caspar: Die Leutschauer Chronik des Caspar Hain in Auszügen zusammengestellt und mit Bildern versehen von Fritzi Mally. 1943.

Höller, Franz: Herz in Böhmen. Gedichte. 1943.

Höller, Franz: Spiel um Liebe. (Einband: Johannes Boehland). 1943.

Höller, Franz: Spiesserkomödie. 1943.

Kempf, Klaus: Im Banne des Turmes. Roman. Ausstattung Eric Ecke. 1942.

Mally, Leo Hans: Prag. Ein Gedichtbuch. 1943.

Moder, Josef: Der irdische Kreis. Gedichte. Einband Eric Ecke. 1943.

Müller, Erhard: Am Südhang der Sudeten. Eine Erzählung. Einbandzeichnung von L. Nettelhorst. 1942; 2. Aufl. 1944.

Musik, Rudolf: Still fiel der Abend. Slowakische Lyrik. Einbandentwurf: L. Nettelhorst. 1944.

Prager Jahrbuch 1943. Herausgegeben von Franz Höller. 1943.

Reiche, Helmut Dietlof: Vom neuen Glauben. Gedichte. 1942, [1943], 2. Aufl.

Saaz, Johannes von: Der Ackermann aus Böhmen. Hrsg. von Erich Gierach. Übertragen von E.G. Kolbenheyer. 1943.

Schlögl, Friedrich: Zu meiner Zeit. Skizzen und Kulturbilder. Ausgewählt und eingeleitet von Eduard Frank. 1944.

Schneider, Josef: Das bekränzte Jahr. Gedichte. Einband Max Geyer. 1944.

Scholz, Hugo: Die weisse Wolke. Roman. 1942.

Schumacher, Erich: Die heilige Flut. Tragödie eines Volkes. 1943.

Speidel, Ludwig: Melodie der Landschaft. Essays. Ausgew. und eingel. von Eduard Frank. 1943. 1944, 2. Aufl.

Trabauer, Karl: Sturm in den ewigen Morgen. Kriegsgedichte. 1943.


Um ein vollständiges Bild des literarischen Programms des Volk und Reich Verlags in Prag zu gewinnen, wird es notwendig sein, die Berichterstattung über Literatur in der Zeitschrift Böhmen und Mähren gründlich zu untersuchen.

Dieser Aufsatz erschien in den Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich. Nr. 2013-1.

Fußnoten

1 Dieser Beitrag ist Teil eines laufenden Projektes über die Geschichte der deutschsprachigen Verlage in den böhmischen Ländern 1919–1945. Die Einträge über einzelne Verlage sowie publizistische Arbeiten über das Verlagswesen in diesem geographischen Raum werden in Form eines erweiterbaren Lexikons online verfügbar sein. Verwiesen wird hier auf einige Vorarbeiten des Verf.: Prag und die Regionen? Überlegungen zu einer Geschichte der deutschsprachigen literarischen Verlage in den böhmischen Ländern 1919–1945. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte 19 (2010), S. 275–334; Zur Geschichte der Buchgemeinschaften in den böhmischen Ländern. Eine tabula rasa. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich 2010-2, S. 7–38 sowie „Verlagslandschaften 1919–1945“. In: Peter Becher, Jozo Džambo, Anna Knechtel (Hrsg.): Prag – Provinz. Wechselwirkungen und Gegensätze in der deutschsprachigen Regionalliteratur Böhmens, Mährens und Sudetenschlesiens. Wiesbaden–Wien: Arco Verlag. (Arco Wissenschaft 27). (Erscheint 2013)

2 Volker Zimmermann: Die Sudetendeutschen im NS-Staat: Politik und Stimmung der Bevölkerung im Reichsgau Sudetenland (1938–1945). Essen: Klartext, 1999; Ingo Haar (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. Personen, Institutionen, Forschungsprogramme, Stiftungen. München: Saur, 2008. Carl Freytag: Deutschlands „Drang nach Südosten“. Der Mitteleuropäische Wirtschaftstag und der »Ergänzungsraum Südosteuropa« 1931–1945. Wien: Vienna University Press bei V&R unipress, 2012. (Zeitgeschichte im Kontext 007)

3 Roland Jaeger: Bücher zum Zeitgeschehen. Der Volk und Reich Verlag, Berlin: In: Manfred Heiting, Roland Jaeger (Hrsg.): Autopsie. Deutschsprachige Fotobücher 1918 bis 1945. Band 1. Göttingen: Steidl, 2012, S. 440–455; hier S. 440.

4 Ebenda.

5 Dazu Hans-Eugen Bühler in Verbindung mit Edelgard Bühler: Der Frontbuchhandel 1939–1945. Organisationen, Kompetenzen, Verlage, Bücher. Frankfurt am Main: Buchhändler-Vereinigung, 2002 (Archiv für Geschichte des Buchwesens: Studien Band 3 ), S. 57–61.

6 Gjalt R. Zondergeld: „Nach Westen wollen wir fahren“. Die Zeitschrift ‚Westland’ als Treffpunkt der ‚Westraumforscher’. In: Burkhard Dietz, Helmut Gabel, Ulrich Tiedau (Hrsg.): Griff nach dem Westen. Die „Westforschung“ der völkisch-nationalen Wissenschaften zum nordwesteuropäischen Raum (1919 – 1960). Teilband II. Münster [u.a.]: Waxmann, 2003, S. 655–671; hier S. 655.

7 Die erste Ausgabe war 1941 in Berlin, die zweite 1943 in Amsterdam erschienen.

8 Zdeněk Šimeček: Geschichte des Buchhandels in Tschechien und in der Slowakei. Übers. v. Armin Hetzer. Wiesbaden: Harrassowitz, 2002, S. 171f.

9 Böhmen und Mähren. Blatt des Reichsprotektors in Böhmen und Mähren. Hrsg. v. Staatssekretär SS- Gruppenführer Karl Hermann Frank. Hauptschriftleiter: Friedrich Heiß. Prag: Volk und Reich Verlag. Die Zeitschrift erschien noch bis in das Jahr 1945 (Heft 1–2) hinein. Dazu der Katalog Böhmen und Mähren. Katalog 80 vom Antiquariat Löcker Wien aus dem Frühjahr 2013: „Dieses letzte Heft ist von allergrößter Seltenheit und weltweit nur in einer einzigen öffentlichen Bibliothek nachweisbar.“ (S. 11) Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Zeitschrift November/Dezember 1944 eingestellt worden ist.

10 Thomas Müller: Volk und Reich. In: Ingo Haar und Michael Fahlbusch (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. München: K.G. Saur, 2008, S. 700–704; hier S. 703.

11 Tim Fauth: Deutsche Kulturpolitik im Protektorat Böhmen und Mähren 1939 bis 1941. 1. Aufl. Göttingen: V&R Unipress, 2004, S. 52, 63. Das Thema „Arisierung“ bzw. Liquidierung Prager Buchhandlungen und Verlage ist – zumindest in deutschsprachigen Publikationen – bislang nicht aufgearbeitet worden.

12 So etwa eine 1944 erschienene Ausgabe von Rudolf Fischers Söhne ohne Väter, eine Lizenzausgabe des 1937 im Hanseatischen Verlag publizierten Werkes, Max Claus: Tatsache Europa (1943) oder Friedrich Heiß: Bei uns in Deutschland (1941). Je eine Ausgabe erschien regulär beim Volk und Reich Verlag in Prag. Zu den weiteren Ausgaben für den Bücherring zählten Rudolf Wolters: Neue deutsche Baukunst. Hrsg. von Albert Speer. (1943) und Hugo Scholz: Die weiße Wolke. Roman (1942).

13 Bühler, S. 124.

14 Dazu: Für Schützengräben und Lazarett. Millionenauflagen für die Wehrmacht. In: Saul Friedländer, Norbert Frei/Trutz Rendtorff/Reinhard Wittmann (Hrsg.): Bertelsmann im Dritten Reich. Unter Mitarbeit von Hans-Eugen Bühler u.v.a. München: Bertelsmann, 2002, S. 409–424.

15 Dazu Helga Strallhofer-Mitterbauer: NS-Literaturpreise für österreichische Autoren. Eine Dokumentation. Wien–Köln–Weimar: Böhlau, 1994, S. 73–75. Zum ideologischen Hintergrund des Preises siehe Karin Pohl: Adalbert Stifter – ein sudetendeutscher Heimatdichter? Zur politischen Instrumentalisierung eines Schriftstellers. In: Stifter Jahrbuch Neue Folge 22 (2008), S. 69– 100; hier S. 96–98.

16 Mally, Zerkaulen und Lerch gewannen den Preis 1942 mit den genannten Werken.

17 Beide erhielten den Preis 1941.

18 Im Impressum steht: Berlin Amsterdam Prag Wien, Druck von Eduard Stichnote Potsdam. Ähn- liche Vermerke finden sich in anderen Bänden.

19 Bühler, S. 210–213. Bühler führt diese 42 Titel quasi als „erschienen“ an, ohne sie (alle) allerdings einzeln autopsiert (bibliographiert) zu haben. Überdies stiften die Bandangaben Verwirrung, denn die Bände sind nicht in der Reihenfolge des Erscheinens nummeriert worden. Mark Twains Tom Sawyers Abenteuer (1943) trägt die Bandzahl 45, während die (als einzige nachweisbare Publikation) 1944 erscheinende Biographie von Günther Prien (Mein Weg nach Scapa Flow) die Bandzahl 29 trägt. Bühler hebt eine (geplante) Ausgabe von Ernst Jüngers Das Wäldchen 145 als „besonderen Titel“ hervor (S. 211), obwohl der Band nicht erschienen sein dürfte. Seine Feststellung, dass die Bände in der Großdruckerei in München (gemeint ist: M. Müller) produ- ziert wurden, ist nicht zutreffend. Zwei zufällig autopsierte Bände sind bei Stichnote in Potsdam und Wilhelm Limpert in Dresden hergestellt worden.

20 Aus dem Archiv des Paul Zsolnay Verlags, Kopie im Besitz des Verf.

21 Bühler, S. 210.

22 Zur Baedeker-Geschichte siehe neuerdings Susanne Müller: Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers 1830–1945. Frankfurt/New York: Campus Verlag, 2012. Die genannten „Handbücher des Frontarbeiters“ werden hier allerdings nicht erwähnt.

Veröffentlicht am 27 Sep 2013

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