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Plakate aus Wien in der Auktion 2336 bei Swann Galleries

Autor: Dieter Tausch

Buchhändler: Dieter Tausch Antiquariat & Galerie

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Plakate aus Wien in der Auktion 2336 bei Swann Galleries
Julius Paul sammelte von 1895 bis 1937 in Wien Plakate. Der in Ungarn geborene jüdische Kaufmann handelte hauptsächlich mit Zigarettenpapier und hatte in der Monarchie ein Monopol für die Einfuhr der berühmten französischen Marke Abadie, ein Produkt, das für seine aufwendige Bewerbung bekannt war. Paul brachte es auf über 6300 Plakate, die er – Abonnent von „Das Plakat“ des Vereins der Plakatfreunde des Hans Sachs – penibel mit einem Zettelkatalog dokumentierte: Inventarnummer, Titel, Künstler, Besteller, Drucker, Format, Ort/Land. Zusätzlich hat der Sammler den Künstler auf jedes Plakat mit Bleistift vermerkt. Aufbewahrt wurde die Sammlung in einem eigens in Auftrag gegebenen Plakatschrank aus Eichenholz.

1867 in Temesvar geboren und kurz vor dem Einmarsch der Nazis 1938 in Wien verstorben, war seine Sammelleidenschaft vergleichbar mit der des elf Jahre jüngeren Herrn Nando Salce, der es in Treviso auf 25000 Blätter brachte. (Dieser hatte die schönste Berufsbezeichnung auf seiner Visitenkarte, die ich je gesehen habe: „Benestante“ – nicht gerade zurückhaltend, aber auch nicht ohne Noblesse.) Testamentarische Erbin der Sammlung war seine Frau Paula. Sie (nicht die Paula) wird aber von seinem Neffen Gaston Albert Belf 1939 dem Wiener Antiquariat V. A. Heck in Kommission übergeben. (Swann Galleries schreiben im Katalog: „It is unknown wheter Paul’s nephew „voluntarily“ turned over the collection to Heck on consignment in order to fund the escape and atonement taxes levied by Jews, or if he simply abandoned the collection…“).
Plakate aus Wien in der Auktion 2336 bei Swann Galleries
Es handelt sich um 3600 Plakate, der Verbleib des Restes von 2700 Plakaten bleibt im Dunkeln. Heck verkauft diese Sammlung und den dazugehörigen Plakatschrank sowie die begleitende Fachbibliothek im selben Jahr um 10000.— Reichsmark an die Albertina. Swann erwähnt, daß der „very low price“ mehr dem Plakatschrank zugerechnet wurde als den darin enthaltenen Plakaten. 2008 restituiert die Albertina die Plakate an die Erben. Der Beirat für Restitutionen befindet: „Dieser Verkauf (1939) ist als nichtiges Rechtsgeschäft im Sinne des Nichtigkeitsgesetzes 1946 zu qualifizieren.“

Es ist einerseits bedauerlich, wenn eine so hervorragende Sammlung – sie wurde von Paul und von 1939 bis 2008 von der Albertina selbstverständlich pfleglichst behandelt – nicht geschlossen erhalten werden kann. Andererseits eröffnet ihre Zerstreuung Sammlern und Museen die Gelegenheit, ihre Bestände mit erstklassigen marktfrischen und seltenen Objekten zu erweitern.

379 Plakate aus der Sammlung Paul werden am 18. Dezember bei Swann Galleries in New York versteigert (siehe hier). Der beeindruckende Katalog beginnt mit Plakaten zu Zigaretten und Zigarettenpapier, dann folgen Fahrräder, Zeitungen/Bücher/Zeitschriften, Ausstellungen, Secession, Photographie, Veranstaltungen und Kabaretts, Essen und Restaurants, Getränke, Automobile, Sport, Film, Waren aller Art, Schokolade, Mode, das Schweizer Modehaus PKZ, Bälle und Redouten und endet mit Militärischem und Politischem. Sofort fällt auf, daß unter anderen Themen auch das Tourismusplakat völlig ausgeblendet ist. Wir werden anderen Teilen der Sammlung sicher andernorts begegnen. (Die Reel Poster Gallery in London erwarb 2010 zum Beispiel die wertvollsten Filmplakate und publizierte einen aufwendigen Katalog). Verkaufsfördernd für alle am Geschäft Beteiligten dürfte sich selbstverständlich auch der Stempel der Sammlungen der Albertina in Wien auswirken.

Das absolute und über alle anderen Objekte herausragende Highlight der Auktion bei Swann findet man – nicht überraschend – unter dem Themenbereich „Secession“: Das von Josef Hoffmann 1906 gestaltete Plakat „Wiener Werkstätte/Ständige Ausstellung“ . Es handelt sich um eines von drei erhalten geblieben (einst etwa 40!) handschablonierten Plakaten - eines noch in der Albertina. Das von Hoffmann und Moser designte Logo war auf allen Plakaten dasselbe, der Rest des Platzes war dem jeweiligen Künstler der WW überlassen. Das gute Stück – wohl eine Ikone – ist auf zweihundertfünfzig- bis dreihundertfünfzigtausend Dollar geschätzt. Dann geht es steil bergab, obwohl wir immer noch im Bereich „für Benestanti“ bleiben: In derselben Abteilung ein Plakat von Josef Maria Auchentaller und eines von Josef Maria Olbrich, jeweils mit 15.000.—bis 20.000.—Dollar geschätzt. Dann sinken wir schon in den meist mittleren, oft auch unteren Bereich der vierstelligen Erwartungen. Aber es gibt auch Plakate mit einer Schätzung im oberen dreistelligen Bereich – also (fast) für jeden etwas. Ob die Plakate teilweise ihre Käufer in Österreich finden werden? Ich werde mich bei einem Innsbruck betreffenden engagieren.

Veröffentlicht am 04 Dec 2013

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