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Das Augsburger Klebealbum – eine kulturhistorische Kostbarkeit

Autor: Regina Kaltenbrunner

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Das Augsburger Klebealbum – eine kulturhistorische Kostbarkeit
Ab 24. September 2014 ist im Hofmobiliendepot in Wien ein besonderer kulturhistorischer Schatz zu sehen: das „Augsburger Klebealbum“, das uns einen großbürgerlichen Hausstand im späten 18. Jahrhundert in Augsburg zeigt. Ergänzend zu den detailreichen Seiten des Buches präsentiert die Ausstellung mehr als 160 Objekte (Möbel, Einrichtungsgegenstände, Geschirr etc.) in Originalgröße, die so oder ähnlich en miniature im Klebealbum abgebildet sind. Auf diese Weise wird die Wohnkultur der damaligen Zeit auch dreidimensional erlebbar gemacht.

Was ist ein Klebealbum? Klebealben könnte man als die Vorfahren unserer Sticker-Alben bezeichnen – nur waren die „Benützer“ damals sehr viel geforderter als jene von heute. Denn die Seiten mussten von Grund auf gestaltet werden, auch die „Sticker“ mussten erst aus Ausschneidebögen ausgeschnitten, koloriert und eingeklebt werden. Die erhaltenen Alben zeigen uns Häuser und welches Leben sich in ihnen abspielte. Auf zunächst leere Seiten wurden Grundrisse eingezeichnet und die einzelnen Räume dann je nach Nutzung möbliert: als Halle, Küche, Schlafzimmer oder Salon.
Der besondere Reiz dieser „Bastelarbeiten“ liegt im Zusammenspiel von Dilettantismus (Missachtung der Perspektive) und akribischer Detailgestaltung, wie etwa dass die Saiten einer Harfe mit zartfarbigen Seidenfäden gespannt sind. Bei so viel Aufwand wollte man natürlich auch zeigen, was sich hinter den verschiedenen Türen verbirgt – sie sind also zum Aufklappen …

Das Augsburger Klebealbum erhielt seinen Namen von seinen ersten Seiten, die bekannte Augsburger Häuser zeigen. Außerdem gehörte es Barbara Regina Walther, der Tochter eines Augsburger Goldarbeiters (Juwelier) und Ratsmitglieds. In den 1990er Jahren befand sich das Buch im Londoner Kunsthandel und wurde den Augsburger Kunstsammlungen angeboten. Doch wie so oft war die öffentliche Hand leer … Das Klebealbum wurde nach Amerika verkauft, zerlegt und die zusammengehörenden Doppelseiten auf je eine Leinwand aufgezogen. Somit haben die Blätter heute die stattliche Größe von ca. 44 cm Höhe x ca. 110 cm Breite.
Zwei Jahrzehnte später überquerte das Klebealbum erneut den Atlantik - leider unter Zurücklassung einiger Seiten. Diesmal konnte ein Mäzen gefunden werden, der die 19 verbliebenen Blätter kaufte und den Städtischen Kunstsammlungen Augsburg zur Erforschung und für Ausstellungszwecke großzügig zur Verfügung stellt.

Die Ausstellung im Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien ist von 24. September 2014 bis 11. Jänner 2015, jeweils Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr zu sehen.
Weitere Informationen finden Sie hier

Publikation zur Ausstellung: "Die Kunst zu wohnen. Ein Augsburger Klebealbum des 18. Jahrhunderts", hrsg. von Georg Haindl. Deutscher Kunstverlag, München 2010

Bild: Anna-Platz in Augsburg © Privatbesitz. Aquarell, Feder, Gouache, Bütten. Fünf Figuren: kolorierter und ausgeschnittener Kupferstich. Signiert und datiert: Balthasar Cornelius Koch anno 1782

Veröffentlicht am 12 Sep 2014

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