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Die Stille gewinnt

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Kein Läuten des Telefons, keine piepsende E-Mail-Ankündigung, kein Klappern von Computertasten stört die Stille im Zimmer des Antiquars Jaime Romagosa. In dieser besinnlichen Ruhe nimmt sich schon das Schaben des Papiers beim Umblättern oder das Streifen der Hände des alten Mannes über die edlen, teils gut, teils weniger gut erhaltenen Buchrücken als Lärm aus.

„Buchantiquare werden so alt, weil der Staub sie konserviert“, sagt der 90jährige und rückt sich seine kleine Leiter vor einem der zahlreichen und überfüllten Regale zurecht, was sich in der sonst herrschenden Stille als eine wahre Lärmbelastung ausnimmt.

40 Jahre – seit 1970 – leitete er sein Antiquariat „Iberia“ am Hirschengraben in Bern. 2011 gab er den Ladenverkauf auf, doch er arbeitet noch immer im Hinterzimmer seines ehemaligen Geschäfts, in dem sich heute eine Confiserie-Kette befindet. 25.000 Bücher hat er in seinem Bestand und sein Anliegen es scheint als wäre sein größtes Anliegen, alle „an gute Plätze“ weiterzuvermitteln. Eine Aufgabe die fast unmachbar scheint, dessen ist er sich aber auch bewusst. Trotzdem verkauft er seine Bücher „nicht jedem“. Er führt seine Korrespondenz weiterhin auf einer Schreibmaschine, selbst zur Archivierung und Listung seiner Bücher hat er keinen Computer, immerhin hat er ja alles im Kopf, selbst wenn er bei manchen vergisst wo sie stehen, sie sind immer da, wie er sagt.

2004 erschien der Bestsellerroman „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier und machte Romagosas Laden über die Grenzen der Stadt hinaus berühmt. Der Protagonist des Buches erhält vom Antiquar am Hirschgraben ein kleines Buch, das sein Leben verändern wird. Als sie dann noch in der Zeitung „Bund“ über die Schließung des Geschäftes las, war für die Schweizer Regisseurin Andrea Leila Kühni klar, dass sie dem Antiquar ein filmisches Denkmal schaffen will.

Andrea Leila Kühni besuchte für ihren Film „Der Antiquar vom Hirschgraben“ – 2014 Gewinner des Publikumpreises des Berner Filmpreises – Jaime Romagosa in seinem Antiquariat und begleite ihn bei der Arbeit. Der 25-minütige Dokumentarfilm, in dem 3 Jahre Arbeit stecken, der dabei herauskam, ist so ausgefallen wie der Mensch, der gezeigt wird. Filmmusik gibt es keine, der brillante Ton bildet die im Geschäft vorherrschenden Geräusche meisterhaft ab; Blätterrascheln, Buchdeckelschaben, das Kratzen des Stiftes, nur unterbrochen vom Gespräch (fast ein Monolog) des Antiquars. War das einer der Gründe warum dieser – in unserer lauten, schrillen Zeit ungewöhnlich leise – Film gerade den Preis der Publikumswahl gewann?

Auch die DVD (28,- CHF) ist ausgefallen: es gibt kein Bonusmaterial, keine zweite DVD, die den Film in 3D zeigt. Als Bonus bekommt man ein Miniaturbüchlein mit Texten von Gerhard Meister. Ideal für Bibliophile eben.

Den Trailer des Films kann man auch online ansehen: www.derantiquar.ch

Veröffentlicht am 21 Jan 2016

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