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40. ILAB-Kongress und 24. ILAB-Messe in der Schweiz

Autor: Dieter Tausch

Buchhändler: Dieter Tausch Antiquariat & Galerie

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40. ILAB-Kongress und 24. ILAB-Messe in der Schweiz
Das Interesse am Kongreß hielt sich – der derzeitigen schwächelnden Situation unserer Branche entsprechend – in Grenzen. Etwa 70 TeilnehmerInnen genossen das vom Schweizer Verband mit viel Geschick ausgewählte erstklassige Programm. Zieht man von den 70 Personen die zehn Menschen des Komitees und die etwa zwanzig PräsidentInnen mit ihren jeweiligen Begleitungen ab, bleiben etwa 15 Interessierte (darunter ein Sammler-Ehepaar aus Indien, das schon in Bologna dabei war). Schade, die nicht Anwesenden haben viel versäumt. Die für Nichtschweizer maßlos überteuerte Schweiz, die für viel Geld nach österreichischen Maßstäben nur höchst Durchschnittliches hergibt, bot durch das Engagement von Christina Maurer, Alain Moirandat, Trudi und Markus Benz und deren perfektes und unterhaltsames Kongreßprogramm vielfache Entschädigung.
Sowohl die Zentralbibliothek Luzern wie die Bibliothek im Kloster Einsiedeln und ebendort die Bibliothek Werner Oechslin in ihrer Botta-Architektur (alle mit ein paar Gustostückerln - für uns herausgesucht) waren Sternstunden für jeden Bücherliebhaber. Die Ausflüge, Schiffl- und Zahnradbahnfahrten, Hergiswald, Pilatus, Rigi waren ergötzlich und ergaben viele Gelegenheiten zum kollegialen Austausch. Natürlich ist so ein kleiner Kongreß logistisch leichter zu bewältigen (zum Beispiel mit ein, maximal zwei Bussen) als etwa unser Kongreß in Wien mit 230 Teilnehmern.
Luzern war also etwas Kleines, Intimes, aber durchwegs Angenehmes. Und ein Abendessen in einer Höhle am Rigi, die hinter einem Wasserfall versteckt ist, war auch durchaus originell: die beste – und übrigens nicht unhübsche – Jodlerin der Schweiz überreizte ihre Koloraturen zeitlich nicht. Der Nachmittag auf dem See mit einer kurzen Sitzung des neuen Committee’s und den Präsidenten bot ein wunderbares und entspanntes Ambiete für Gespräche mit den Kollegen. So ein Ausflugsschiff mit Bar ganz für uns allein war eine sehr feine Sache. Im Sinne der ILAB und unserer Mitglieder würde ich mir allerdings wieder größere Teilnehmerzahlen wünschen – sowohl in Paris 2014 wie auch im angedachten Budapest 2016. Ich kann aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung nur immer wieder betonen, wie wichtig persönliche Kontakte mit Kollegen aus fünf Kontinenten sind, mit denen man sonst meist nur via Internet kommuniziert.
Die Entscheidungen und Abstimmungen über Geschehenes und Zukünftiges – vom Comittee vorgertragen - wurden alle fast einstimmig von den Präsidenten der nationalen Verbände gebilligt. Einstimmig neu bestellt wurde Tom Congalton als Nachfolger in der Präsidentschaft nach Arnoud Gerits, ebenso einstimmig unser österreichischer Kollege Norbert Donhofer als Nachfolger im Vizepräsidentenamt, Paul Feain mit großer Mehrheit als Nachfolger unseres Schatzmeisters Poul Poulsen, der dieses Amt 22 Jahre innehatte. Die Finanzen des internationalen Verbandes stehen (noch) gut – Abgänge und weniger Neuzugänge von Mitgliedern sind in der derzeitigen Situation zu befürchten. Um im nächsten Budget eine schwarze Null zu schreiben, gab es ausgabenseitig ein paar kleine Rücknahmen und Kürzungen. Die Reserven sind seit vielen Jahren in erfreulich guten Wertpapieren veranlagt und der Topf für den ILAB – Breslauer Bibliographie-Preis (10.000.—USD alle vier Jahre) ist wohlgefüllt.
40. ILAB-Kongress und 24. ILAB-Messe in der Schweiz
Die Messe in Zürich war, wie man derzeit so schön euphemistisch sagt , „ durchwachsen“. Und das soll beruhigend sein und darauf hindeuten, daß es immer noch besser ist als „durchschrumpft“. Eine halboffizielle Nachricht lautet, daß siebzig Prozent der Aussteller zufrieden waren. Wenn man weiß, daß nur drei Viertel den betreffenden Fragebogen ausgefüllt haben, relativiert sich die Aussage. Wohl etwa die Hälfte der Teilnehmer war zufrieden, was kein so schlechter Erfolg der Messe insgesamt gewesen sein dürfte. Der Besuch war zufriedenstellend und die Zusammenarbeit mit der Kunstmesse zur selben Zeit am selben Ort war sicherlich für beide Veranstaltungen ein Gewinn. Meine Recherchen bei Kollegen reichen von vereinzelten Verkäufen im sechsstelligen Bereich bis zu einem Kollegen, der von weit angereist ist, kein Objekt verkaufen konnte und keine interessante neue Sammleradresse mit nach Hause nahm. Das ist bei Gesamtkosten von 10.000.—Euro und zehntägiger Abwesenheit vom Geschäft als herbe Enttäuschung zu verbuchen. A bissele a Glück gehört halt in unserer Branche auch immer dazu. Organisatorisch und logistisch war die Zürcher Messe professionell und optimal organisiert wie immer und über den Sonderstatus der Eidgenossen, Ein- und Ausfuhr betreffend, wurde überraschend wenig Ungemach berichtet.
Nevine Marchiset hat hunderte Fotos gemacht, Adam Bosze, der ungarische Präsident, einen Film gedreht. Für Neugierige, die vielleicht einen Vorgeschmack auf zukünftige Veranstaltungen der ILAB bekommen wollen, wird alles in Kürze auf der ILAB-Website erscheinen.

Als Präsident des Verbandes der Antiquare Österreichs darf ich zur sehr gelungenen ILAB-LILA Veranstaltung in der Schweiz gratulieren und mich dafür herzlich bedanken, in primis bei Frau Christina Maurer, Frau Gertrude Benz, Frau Brigitta Laube, Herrn Markus Benz, Herrn Alain Moirandat sowie Herrn Beat Fatzer. Bilder mit freundlicher Genehmigung der ILAB

Veröffentlicht am 20 Oct 2012

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