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Aus dem Antiquariat

Autor: Dieter Tausch

Buchhändler: Dieter Tausch Antiquariat & Galerie

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Kurze Gedanken zum Handel mit alten Büchern, Grafiken und verwandten, meist papiernen Dingen

Bücher und Schriften wurden schon gehandelt, bevor Gutenberg in Europa die Erfindung machte, zwischen zwei mit Leder überzogenen Holzdeckeln Papier zu lagern, das beidseitig mit gegossenen Metalllettern bedruckt worden war. Übrigens hatten Koreaner fast dieselbe Technik schon zweihundert Jahre, bevor Columbus das Segeln erlernte, praktikabel zur Produktreife gebracht. „Es eilt die Zeit im Sauseschritt“ und der Antiquariatshandel hat sich ebenso gewandelt wie die Schwerpunkte seines Angebots und die Obsessionen seiner Kundinnen und Kunden. Eine Branche, von der man beim ersten Hinsehen glaubt, sie sei mehr als behäbig und nur langsam geringfügigen Änderungen unterworfen, unterliegt fast genauso schnellen Veränderungen wie der Geschmack für Mode, Zimmerpflanzen oder Haustierrassen. So gibt es den auf Messen fahrenden Antiquar mit seinen in Holzfässern transportierten Büchern schon lange nicht mehr. Und die später folgenden großen Firmen mit Ladengeschäft, riesigen Lagern, umfangreichen Spezialkatalogen zu einem Thema und vielen Angestellten sind längst, spätestens in den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, verschwunden. Manche dieser speziellen Offerte muten heute exotisch an: hunderte Nummern Literatur zur Numismatik, zur Heraldik, zur Biographie etc. Von für den heutigen Handel so wichtigen Themen wie Fotografie, Plakatkunst, Erstausgaben des zwanzigsten Jahrhunderts keine Spur. Antiquariate handeln heute weltweit genauso mit Inkunabeln wie mit Künstlerbüchern, mit Altmeistergrafik wie mit rezenten Holzschnitten anerkannter Künstler. Die großen Ladengeschäfte sind verschwunden, viele öffnen für ihre Kunden nur mehr nach vorheriger Anmeldung. Daneben ist ein Markt „Von zuhause aus“ entstanden, der ausschließlich über das Internet seine Waren anbietet. Ernst Jünger bemerkte vor vielen Jahren, daß sich der Antiquariatshandel in zwei Richtungen entwickelt: „Zum einen zum Juwelenhandel, zum andern zum Schrotthandel“. Dazwischen gibt es natürlich sehr viele fließende Übergänge.

In Österreich waren es zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vor allem die „Großen“ in Wien mit lange nachklingenden Namen wie zum Beispiel Heinrich Ranschburg, Hans Peter Kraus oder Ignaz Schwarz, die weltweit Sammler und Bibliothekare in Ihre Ladengeschäfte oder zu ihren Auktionen lockten. Wien war mit Paris, London und Berlin („drüben“ vielleicht noch Philadelphia und New York) der wichtigste Umschlagplatz für erlesene und hochpreisige Objekte des Antiquariatshandels. Aber auch in der Provinz, zum Beispiel im damals noch weit entfernten Lienz, machte der Bruder des Salzburger Erzbischofs Rohracher international viele und große Geschäfte. Die meist jüdischen Kollegen wurden in die Emigration gezwungen und ihre Geschäfte arisiert . Fast alle hatten sich bis 1945 eine neue Existenz im Ausland, meist in der Schweiz oder Amerika, aufgebaut. In den Fünfziger-und Sechzigerjahren waren es vor allem Rudolf Hoffmann, die beiden Nebehays und Dr. Krug, die das oberste Segment im österreichischen Antiquariat besetzten, wenn auch viele Antiquariate wie Bourcy und Paulusch, Heck (Wien) sowie unter anderen Truppe (Graz) und Welz (Salzburg) sich eines regen Zulaufs erfreuten und regelmäßig Kataloge und Listen veröffentlichten. Von den etwas über dreißig heute im österreichischen Antiquariatsverband gelisteten Antiquarinnen und Antiquaren betreiben über zwei Drittel ihr Geschäft in Wien. Immer noch haben viele ihre Ausbildung in Buchhandlungen und Antiquariaten gemacht, aber zunehmend gibt es interessante Quereinsteiger. Das Durchschnittsalter der Mitglieder im Verband und damit in der ILAB (International Ligue of Antiquarian booksellers) liegt sicher jenseits der Fünfzig - im deutschen Verband ist das Durchschnittsalter neunundfünfzig.

Das Antiquariat - ein aussterbender Geschäftszweig? Sicherlich sind die Vormittage beim Antiquar vorbei, bei denen man Rilke oder Jakob Burckhardt treffen konnte. Samstags (und oft auch montags) haben viele Händler geschlossen. Die Zahl der Angestellten und die Öffnungszeiten haben sich reduziert. Die Affinitäten haben sich geändert, die großen Bibliophilen (Bogeng) sind weniger geworden, und diese „lassen“ meist kaufen – von ihrem Bibliothekar, einer Person ihres Vertrauens. Es gibt sie also noch immer, die Besucher der Ladengeschäfte, die in der Realität stöbern müssen und den Geruch der alten Bücher atmen wollen, aber es sind fast schon Exoten… Aus vielen Gründen haben sich die meisten AntiquarInnen entschlossen, der neuen Methode, Geschäfte anzubahnen, Offerten und Kataloge zu versenden etc. Rechnung zu tragen, und sind im Internet mit ihrer Ware präsent.

Veröffentlicht am 20 Dec 2012

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