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Buch Wien 2012 – Antiquariat Inlibris

Buchhändler: Antiquariat Inlibris Gilhofer Nfg. GmbH

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(1) Freud-Autograph (2) Brand (3) Maximilian I / Pfintzing

(1)
Freud, Sigmund,Vater der Psychoanalyse (1856-1939): Portraitfotografie mit eigenh. Widmung und U. („Sigm. Freud“). [Wien], 1932. Originalfotografie (220 x 165 mm, Vintage, im Negativ signiert von Max Halberstadt) auf Karton (300 x 238 mm) mit Blindstempel des Fotografen.

€35.000,00

Das berühmteste Freud-Portrait, hier mit eigenhändiger Widmung an den ältesten Sohn der Marie Bonaparte, Pierre von Griechenland und Dänemark (1908-80), anläßlich seiner Genesung von einer Krankheit. Die französische Schriftstellerin Prinzessin Marie Bonaparte (1882-1962) wirkte als Psychoanalytikerin und stand mit Freund in enger Verbindung. Ihr Vermögen trug zur Popularisierung der Psychoanalyse bei; 1938 ermöglichte sie auch Freud die Flucht vor dem Nationalsozialismus, indem sie ihm die „Reichsfluchtsteuer“ vorstreckte. Im Jahre 1925 hatte sie Freud wegen ihrer vermeintlichen Frigidität konsultiert (später erklärt als Unvermögen zum Orgasmus in der Missionarsstellung). Es war Marie Bonaparte, der gegenüber Sigmund Freud sein berühmt gewordenes Diktum äußerte, „Die große Frage, die noch niemals beantwortet wurde, und die auch ich nach dreißigjähriger Erforschung der weiblichen Seele nicht habe beantworten können, lautet: Was will das Weib?“ Obwohl sie sich selbst eine sexuelle Funktionsstörung attestierte, hatte sie Affären sowohl mit dem Freudschüler Rudolph Loewenstein als auch mit dem französischen Premierminister Aristide Briand. Die Geschichte ihrer Beziehung zu Freud wurde im Jahre 2004 mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle verfilmt. – Sigmund Freuds Unterschrift in kräftigen Zügen unten rechts auf dem Foto; die Widmung auf dem Kartonträger. Unbeschnitten und von ausgezeichneter Erhaltung.

(2)
Brand, [Johann] C[hristian]: Zeichnungen nach dem gemeinen Volke besonders Der Kaufruf in Wien. Etudes prises dans le bas peuple et principalement Les Cris de Vienne. Nach dem Leben gezeichnet v. C. Brand Professor der bildenden Künste. Wien, T[ranquillo] Mollo, [nach 1798]. Gest., kol. Titel, 45 gest. Tafeln im Originalkolorit in getönten Rahmen. Halblederband der Zeit mit Marmorbezug, hübscher Rückenvergoldung, Resten eines goldgepr. Rückenschildchens und neuerem goldgepr. rotem Deckelschildchen. Folio (348:474 mm).

€35.000,00

Luxusexemplar der dritten, umfangreichsten Ausgabe der prächtigen Berufsdarstellungen; vorliegend eines jener von Schwarz (s. u.) beschriebenen „Vorzugsexemplare [mit den Kupfern] sehr sorgfältig in Aquarellfarben ausgemalt und einer lavierten Einfassung umgeben“ (Schwarz, 13). – Dargestellt sind die damals im Volk verbreiteten Berufe und fliegenden Händler, wie man sie auf den Wiener Märkten antreffen konnte: Bretzenbäck, Hühnerkrämer, Wurstverkäufer, Perspektivhändler, Bierwirtsjung, Kupferstichhändler, Lorbeerblätterkrämer, Postbote, Seilerjunge, Teppichkrämer, Vogelhändler, Nachtwächter, Limonenverkäuferin, Wäscherin, Blumenstraußmädchen, Schneckenweib, Huthändlerin, Müllerin, Milchweib, Stubenmädchen und viele mehr. Die Vorlagen zeichnete der Wiener Maler und Kupferstecher Johann Christian Brand (1722-95), der als Kammermaler und später als Professor an der Kunstakademie in Wien wirkte. Das Werk war zuerst 1775-76 mit 40 Tafeln, als zweiter Druck der Erstausgabe 1780 ebenfalls mit 40 Tafeln und dann 1796 mit nur 38 Tafeln erschienen, zu denen dann in der dritten Auflage noch sieben neu entworfene Tafeln hinzukamen. Diese Ausgabe erschien in einer unkolorierten und einer kolorierten Version sowie in der vorliegenden Luxusausgabe, die zusätzlich farbig getönte, getuschte Umrahmungen und eine besonders feine Kolorierung aufweist. – Ecken bestoßen; Kapitale lädiert. Innen zu Beginn im breiten weißen Rand unbedeutend fingerfleckig; die meist nur gebräunt anzutreffenden Tafeln hier sehr sauber und in frischen, hübschen Farben koloriert; das Velinpapier ungewöhnlich frisch. Herausragendes Exemplar.
¶ Beall Ö 5. Kaut 6. Vgl. Lipperheide Ebb 1. Colas 423. Hiler 110. Massin 219. I. Schwarz, Der Wiener Kaufruf von Brand, 13-15.


(3)
Maximilian I / Pfintzing, Melchior: Die geuerlicheiten und einsteils der geschichten des loblichen streytparen und hochberümbten helds und Ritters herr Tewrdanncks. [Nürnberg (d. i. Augsburg)], J. Schönsperger d. Ä., 1517. 281 (statt 290) Bll. Mit 118 (dav. 109 kol.) Holzschnitten von L. Beck (77), H. L. Schäufelein (20), H. Burgkmair (13), J. Breu, W. Traut u. a. Blindgepr. Lederband der Zeit über Holzdeckeln mit 2 Metallschließen. Folio.

€35.000,00

Erste Ausgabe. Das wohl schönste Holzschnittbuch der deutschen Frührenaissance. Unter Mitwirkung der bedeutendsten Künstler der Zeit und mit einer eigens geschaffenen, kunstvoll elaborierten Type gedruckt, diente die gesamte erste Auflage als Privatdruck zu Dedikationszwecken. Dargestellt wird die Brautwerbung Kaiser Maximilians I. um Maria von Burgund (1477), stilisiert zu einem allegorischen Heldenroman. Der Text entstand nach Entwürfen Maximilians und wurde von Pfintzing in Zusammenarbeit mit den kaiserlichen Sekretären Marx Treitzsaurwein und Siegmund von Dietrichstein abgefaßt. Neben der prachtvollen künstlerischen Ausstattung macht die Einführung der Fraktur den „Theuerdank“ zu einem herausragenden Dokument der Druckgeschichte. – Es fehlen das Bl. P5 (weiß) und die letzten 8 Bll. (mit Dedikation, Registern und Druckvermerk); der gestempelte Titel ist vermutlich aus einem anderen Exemplar ergänzt. Ebenfalls aus einem anderen, unkolorierten und schmalrandigen Exemplar stammen 14 breit angeränderte Bll. (die in den Rand auslaufenden Schnörkel teils abgeschnitten): k4-5, l7, m2, m6, s5-7, y5-7, z6, B2 und G2. Bl. Bl. N4 stark angeschmutzt; ca. 10 Bll. mit größeren, teilweise ausgebesserten Randdefekten, davon einige bis in die Schriftausläufer reichend, teils angerändert oder hinterlegt. Gering gebräunt, vor allem im unteren Rand stärker fingerfleckig und mit leichten Feuchtigkeits- und Gebrauchsspuren. Einband etwas beschabt und bestoßen; Rücken und Vorsätze erneuert.
¶ VD 16, M 1649. Adams P 962. Proctor 11180. Fairfax Murray 329. Muther 845. Dodgson I, 254, 419, 504 und II, 7, 58, 109, 123, 147 und 198.

Veröffentlicht am 31 Oct 2012

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